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Die Geschichte des Kletterns führt zur Ansichtssache


Klettern ist (unterschiedliche) Haltung

Die Diskussionen rund um das Thema "weich Stürzen" können ganz schön uferlos werden. Je nach "Kletterethik", Vorerfahrung, Einflüsse durch die Klettercommunity und die eigene Haltung können die Meinungen dazu sehr unterschiedlich ausfallen. Dieser Blogartikel soll ebenfalls eine Haltung dazu beschreiben, eine climBische Haltung. Ein Versuch, nicht zu urteilen, sondern jeder anderen Haltung eine Berechtigung zu geben.

 

 

Letztendlich soll der Blogartikel dazu inspirieren, sich von Haltungen, die für das eigene Klettern nicht förderlich sind, zu lösen und neue Wege für sich zu erforschen.

Die Macht der Geschichte

Klettern war und ist immer noch eine Haltung. Auch eine gesellschaftliche. Sich lösen von einzwängenden sozialen Strukturen, neue Wege für das Ausleben der persönlichen Freiräume gehen. Klettern etablierte sich als Möglichkeit hierfür. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts lebten kletternde Menschen ihren alternativen Traum nach Freiheit in Form des Alpinkletterns. Verantwortung für das Risiko übernehmen steht in diesen Zeiten im Mittelpunkt. Die Freiheit leben durch das Ausloten der eigenen menschlichen und mentalen Grenzen und die damit einhergehenden Konsequenzen prägten diese Haltung. Bewusst wurde das Risiko hingenommen, die Sicherungsmittel dienten eher dazu, den Worstcase, also den Tod, zu verhindern. Auch die Verlagerung des Trainings in die Mittelgebirge, wie das Frankenjura, wollte diese Herangehensweise wahren. Hohe erster Haken, weite Hakenabstände, Bodensturz trächtige Runouts.... All dies im Sinne der Haltung, Verantwortung für sein eigenes Handeln übernehmen zu sollen / können / dürfen.

 

Und der Zeitraum, in der diese Haltung im Mittelpunkt stand war lang.... So lang, dass die Haltung des modernen Sportkletterns braucht, um sich zu etablieren.... Und das ist auch ganz natürlich!

 

Die Haltung verschob sich Anfang der 80er. Der Drang nach sozialer Freiheit weicht immer mehr dem Drang nach körperlicher Betätigung. Ausloten der körperlichen Grenzen rückte immer mehr in den Vordergrund. Gefahren sollten weitesgehend ausgeschlossen werden, Unfälle wurden nicht mehr einfach nur als Konsequenz der freiheitlichen Gratwanderung hingenommen. Das moderne Sportklettern mit guter Absicherung und optimierfähigen Sicherungsmethoden wird in Indoorhallen, in Sportklettergärten gelebt. 

 

 

Und das hat Potenzial! Klettern als ganzheitlicher Ersatz für das Fitnesstudio, im therapeutischen und integrativen Kontext, bei Wettkämpfen und natürlich im sozialen Kontext zum "gemeinsamen Abhängen". Breitensport eben. Im geschützten Rahmen mit niedrigem Verletzungsrisiko.

Stürze gehören dazu

Ich lese häufig Facebook Kommentare in den entsprechenden Community Gruppen. Sie machen mich traurig. Vor allem, wenn die zwei Haltungen aufeinanderprallen.

 

"Der alte Hase" fällt nicht. Sollte er das tun, nimmt er die Verletzung in Kauf. Es gibt keinen Unterschied in der Weicheit der Stürze, denn darauf liegt ja auch nicht sein Fokus. Denn einfach diese Konsequenz macht für ihn den Reiz des Kletterns aus. Er möchte nicht die Sportklettergärten sanieren, er möchte, dass diese ursprüngliche Haltung zum Klettern weiterlebt. 

 

Die junge Kletterin liebt die Bewegungen und die körperliche Herausforderung und fällt häufig in das Seil. Sie möchte sicher fallen können und nimmt eine Verletzung nicht in Kauf, möchte ja diese körperliche Betätigung weiterhin ausüben. Sie wünscht sich die Sanierung von Klettergärten, kauft sich einen Clipstick, geht auch gerne mal im Toprope.

 

Fazit: Klettern in all seinen Facetten ist zunächst Ansichtssache, kommuniziert werden Haltungen leider häufig als Tatsache.

 

Haben nicht beide Haltungen ihre Berechtigung? Wäre nicht ein wertschätzender Dialog zwischen den beiden Vertretern anzustreben?... Lass es uns versuchen! Lass uns im Dialog herausfinden, mit welcher Intension die Person in der Nachbarroute zum Klettern geht. Lass und nicht gegenseitig irritierte Blicke für eine gewisse Handlung / Handhabung zuwerfen. Man kann auch mal fragen ... ;)

 

Anfangen kann man auf Facebook.... 

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