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Wie wir zu Messies wurden


Messies.... altes Klettermaterial horten? Für schlechte Zeiten? Für Einnahmenausfälle während Corona? Um NEWSEED zu unterstützen? Auch ein schöner Gedanke! Weit gefehlt....

 

Wir wollen euch Unterstützen. Wir wollen euch faktisch und praktisch zeigen, mit welchen Sicherungsmethoden ihr einen weichen Sturz ins Seil ermöglichen könnt. Wie ihr Gewichtsunterschiede auf hohem Niveau handhaben könnt. Wie dadurch das Vertrauen zu euren Sicherungspartner*innen und zu euch selbst wachsen kann.

 

Deshalb haben wir angefangen, zu messen!

Zweiunddreißig

32 %. Anprallunfälle. Laut DAV Unfallstatistik für Kletterhallen 2018. 50 % Bodenstürze. Anprallunfälle auf Platz 2. Wir ziehen folgende logische Konsequenz:

 

Oberste Priorität hat das korrekte Sicherungsverhalten, das dazu dient, die Kletterin nicht auf den Boden fallen zu lassen. Zweite Priorität hat das weiche Sicherungsvermögen. In jedem Gelände. Für alle Gewichtsunterschiede.

 

Wir wollen euch also erstmal vor einer unangenehmen Verletzung bewahren, damit ihr euren Lieblingssport auch ohne Zwangspausen weiterführen könnt.

 

#weichessichernfüreinenverletzungsfreienfluginsseil

Aua

Eine kleine Geschichte aus dem Nähkästchen:

"Aua!" - "Krass du bist ganz schön in die Wand eingedonnert!" - "Ja alles gut, hat nicht geknackst....." - Okey, also alles easy bei dir?" - "Jaja, ich mache jetzt einfach weiter..."

 

Alles easy? Für den Fuß vielleicht. Und für das Mindset? Für folgende Hypothese haben wir keine handfeste Statistik. Wir haben stattdessen unsere Erfahrung. Mit uns selbst, mit Coachees, Teilnehmenden von Workshops. Und vielleicht findest Du Dich auch wieder! Dann wird es jetzt spannend für Dich:

 

Die Konsequenz einer harten Aufpralls an der Wand kann destruktive Folgen für die mentale Stabilität eines Kletterers haben.

 

Das Warum ist die eine Frage. Wir vermuten eine neuronale Verknüpfung im Gehirn, die den Aufprall mit dem Gefühl der Angst belegt. Somit vermeidet Frau und Mann den Sturz ins Seil lieber, um der möglichen schmerzhaften Folge zu entgehen. 

(Danke Barbara für den Gedankenaustausch :))

 

Die Konsequenz betrifft uns Kletterer*innen:

Wir können eine Furcht entwickeln vor dem Stürzen, die wir gar nicht wahrnehmen können und in uns unidentifizierbar bleibt. Sie ist einfach da, unterschwellig, tief, ungreifbar. Und hindert uns. Beim Klettern am Limit. Scheiße. Und was wir nicht wahrnehmen können, können wir ja auch nicht angehen! Scheiße.

 

Jetzt könnt ihr das Thema als Seilschaft angehen und für euch überprüfen! Es ist unsere Überzeugung aus der Erfahrung, dass weiches Fallen diese mentale Instabilität lösen kann. Stabilisieren kann. 

 

#weichessichernfürmehrmentalestabilität

Verifizierungshindernisse

Wir verlassen uns sehr häufig auf unsere Subjektive Wahrnehmung. Bei einem Aufprall auch. Wenn ich schon mit der Einstellung in ein Experiment gehe, dass sich das "eh hart anfühlen" wird, wird es sich hart anfühlen... Und Leute, die nie einen weichen Sturz erlebt haben, werden vielleicht einen harten Aufprall stets als "weich" empfinden, solange sie sich nichts dabei brechen.

 

Diese subjektive Wahrnehmung kann hilfreich sein, um unterschiedliche Stürze aus meiner Erfahrungswelt miteinander zu vergleichen. Und gleichzeitig bleibe ich in meiner Erfahrungswelt und der Zugang zu anderen möglichen Sturzerfahrungen bleibt mir verwährt.

 

Darum wollen wir messen! Wir wollen die subjektive Wahrnehmung eines Aufpralls an der Wand durch eine objektive Wahrnehmung ersetzen. Damit alle Kletterer die Möglichkeit haben, den Zugang zu einem weichen Sturz zu finden.

In der Einfachheit liegt die Kraft ...

Auf Augenhöhe. Verständlich. Auf bestehendes Wissen aufgebaut. Wir werden den Fangstoß messen. Diese Größe hat sich in der Sturzphysik als guter Kompromiss zwischen Verständlichkeit und Berücksichtigung aller Rahmenbedingungen, die die Sturzphysik so komplex gestalten, bewährt. Der Fangstoß auf die Kletterin ist spürbar und gleichzeitig messbar. So können wir das subjektive Gefühl eines Sturzes in einem objektiven System vergleichen. Und dadurch den Zugang zu neuen Sturzerfahrungen schaffen!

 

Wie wir messen? Wir nehmen eine stinknormale Smartwatch, die uns ein Beschleunigungsprofil in 3 Achsen zur Verfügung stellt. (Danke an Cris von Qolware für die Unterstützung :)). Daraus errechnen wir den Betrag (also den gefühlten Wert) der Beschleunigung während eines Sturzes. Wir bekommen einen Verlauf, der uns erlaubt, die einzelnen Sequenzen eines Sturzes zu analysieren und zu verstehen. Gleichzeitig bekommen wir einen maximalen Beschleunigungswert, der über die Masse (F=m * a) direkt proportional zu der gefühlten Fangstoßkraft ist.

 

In der Theorie.....

... in der Komplexität die Herausforderung

Nun ja, unsere anfängliche Motivation war groß. Das testen der Uhr berauschend! Wir haben die Messergebnisse bereits vor uns gesehen, alles sollte so einfach sein... Dann kam eine Komplikation nach der anderen. Eine Frage nach der anderen.... Wir haben aufgrund von Corona unsere Messlocations verschoben.... Lustig war es schon mal ;). Puh. Es wird ein langer Weg. Es gibt Leute um uns herum, die uns freiwillig und gerne unterstützen!

 

Wir machen weiter und werden euch hoffentlich bald unsere ersten Ergebnisse präsentieren könne. Wir wollen euch eine Welt zeigen, in der weiches Stürzen ein Mehrwert ist. Und sicher!

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