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Vertrauen in Seilschaften - Teil 3: für alle Fälle


     Klettern am Seil ist Teamwork. Reduzieren wir das Klettern auf die kletternde oder die sichernde Person als Einzelne, würden wir wichtige Aspekte des Kletterns ignorieren. Gedankliche Blockaden behindern das Klettern am Limit . Missverständnisse in der Seilschaft führen zu Frust.

 

Wir wollen ein WIR Gefühl fördern. Wir glauben, dass durch Vertrauen und Kommunikation in der Seilschaft das Klettern zu einer (noch) schöneren Erfahrung wird. 

 

Doch wie baue ich es auf, das Vertrauen? In einer 4-teiligen Blogserie zum Thema "Vertrauen in der Seilschaft" beleuchten wir das Thema auf der menschlichen Ebene. Wir sprechen Unausgesprochenes an. Wir unterstützen euch mit konkreten Strategien , ein richtig starkes Team zu werden!

 

Was die Grundvoraussetzungen für Vertrauen sind und wie man Vertrauen bereits am Boden aufbauen kann, liest Du in Teil 1 unserer Serie. 

 

Wie Du als sichernde Person der Kletterin beim Klettern Deine Aufmerksamkeit schenken kannst, erfährst Du in Teil 2 unserer Serie.

Dynamische Teamdynamik

Das Vertauen in der Seilschaft wird bei einem realen Sturz in´s Seil richtig auf die Probe gestellt! Vertrauen wurde zwar bereits am Boden und beim Klettern aufgebaut, doch dieses ist schnell wieder zerstört, wenn der Sturz ins Seil unangenehm ist oder Unangenehmes Triggert. Wie könnt ihr gemeinsam als Seilschaft agieren, damit das Vertrauen gestärkt nach einem Sturz ins Seil weiterlebt?

 

1. Wunscherfüllung: Dieser Punkt knüpft direkt an "Austausch" aus dem ersten 1. Teil unserer Blogserie an. Und ist sehr entscheidend! Bist Du beim Sichern tatsächlich auf den Wunsch des Kletterers eingegangen oder nicht? Wenn beispielsweise volle Aufmerksamkeit und eher ein "hartes Sichern" in Bodennähe gewünscht ist, solltest Du als Sichernder genauso agieren! Umso stimmiger Dein Sicherungsverhalten auf den Wunsch eingeht, umso mehr stärkt ein Sturz ins Seil das Vertrauen. Manchmal ist auch eine Nachjustierung notwendig, wenn "hartes sichern" unterschiedlich wahrgenommen wird.... ;)

 

2. Dynamik: Ein Sturz kann sich weich, hart oder irgendwas dazwischen anfühlen. Die Frage ist hierbei nicht, was allgemein als "richtig" oder "Lehrmeinung" verstanden wird. Es ist wichtiger, dass die Erwartung des Kletterers erfüllt werden! Am stimmigsten ist die Situation, wenn schon viel gemeinsam geübt wurde und Sicherin und Kletterin die gleiche Vorstellung von der Dynamik haben. Gleichzeitig kann ein perfekt dynamischer Sicherungsvorgang mit kaum freiem Fall und langem Bremsweg Auslöser für ein kleines "Falltrauma" sein, wenn der Kletterer noch nie in seinem Leben auf diese Art und Weise gesichert wurde! Gemeinsames Erforschen und Erkunden der Falldynamik ist somit auch die Voraussetzung für eine gute Teamdynamik! Als sichernde Person beweist Du gleichzeitig Deine Sicherungskompetenz, wenn Du die abgesprochene, der Situation entsprechende Dynamik nutzt.

 

3. Freier Fall: Freier Fall entsteht z.B. durch Schlappseil, oder große Entfernungen zur Wand. Die Auswirkungen zeigen sich wieder in einer unerfüllten Erwartung der kletternden Person: sie rechnet nicht damit, direkt unter dem geclippten Haken 1 Meter frei zu fallen! Außnahmen bestätigen die Regel, wenn die Situation klar besprochen wurde.

Unser Credo bei Climbe: kein unnötiger freier Fall (wenn das Gelände das zulässt) und so weich wie möglich, so hart wie nötig!

 

4. Rückmeldung: Punkt 1-3 forderten bis jetzt eher die Kompetenz und die Einfühlsamkeit der sichernden Person. Auch Du als Kletterer kannst was tun. Gib eine wertschätzende und geduldige Rückmeldung an Deinen Sicherungspartner. Äußere, was Du beobachtest, was Du empfunden und was Du wahrgenommen hast, um die Connection aufrecht zu erhalten. 

"Das war zu hart" ist wenig aussagekräftig und eher urteilend. Es war vielleicht für Dich härter als gewohnt, Dein Sicherungspartner ist in seiner Welt vollgas hochgesprungen! ...

Hier kann man nochmal Wünsche konkretisieren und gemeinsam über die eigenen Wahrnehmungen sprechen .....:)

Im 4. Teil unserer Serie geht es um ein gemeinsames Falltraining. Gemeinsames Erarbeiten der passenden Dynamik und eine wertschätzende Kommunikation um das Vertrauen noch weiter zu stärken!

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